Dr. Craig Osborne
Dr. Craig Osborne
Heilpraktiker, Doctor of Chiropractic (NZCC)

Ohrgeräusche und Tinnitus

von | März 10, 2022 | Symptome, Tinnitus | 0 Kommentare

Tinnitus und Ohrgeräusche: Welche Rolle spielen Nacken und Kiefer?

Ein Pfeifen, Rauschen, Summen oder Klingeln im Ohr, obwohl keine entsprechende Geräuschquelle vorhanden ist: Ohrgeräusche können sehr belastend sein. Vielleicht bemerkst Du sie besonders in ruhigen Momenten, beim Einschlafen oder wenn Du unter Stress stehst. Manchmal treten sie plötzlich auf, manchmal begleiten sie Dich über einen längeren Zeitraum.

Tinnitus kann unterschiedliche Ursachen haben. Neben möglichen Veränderungen im Hörsystem können auch der Nacken, die Halswirbelsäule und das Kiefergelenk eine Rolle spielen.

Doch welche Zusammenhänge gibt es zwischen Ohrgeräuschen, Bewegung und Nervensystem? Und wann kann es sinnvoll sein, auch die Funktion der Halswirbelsäule und des Kiefers genauer zu betrachten?

Was ist Tinnitus?

Tinnitus bezeichnet die Wahrnehmung von Geräuschen, für die keine entsprechende äußere Schallquelle vorhanden ist. Betroffene beschreiben die Geräusche beispielsweise als Pfeifen, Rauschen, Brummen, Summen oder Klingeln.

Die Wahrnehmung kann dauerhaft bestehen oder phasenweise auftreten. Manche Menschen hören die Geräusche vor allem auf einem Ohr, andere auf beiden Seiten. Auch die Lautstärke und die Belastung durch den Tinnitus können stark variieren.

Tinnitus ist keine eigenständige Diagnose, die immer auf dieselbe Ursache zurückzuführen ist. Er kann unter anderem mit Hörminderungen, Lärmbelastung, bestimmten Erkrankungen oder Medikamenten zusammenhängen. Bei manchen Menschen beeinflussen auch Bewegungen des Kopfes, die Kieferfunktion oder die Muskelspannung die Ohrgeräusche.

Deshalb ist es wichtig, die Beschwerden individuell einzuordnen und mögliche Ursachen nicht vorschnell auf eine einzelne Struktur zu reduzieren.

Welche Ursachen können Ohrgeräusche haben?

Tinnitus kann durch verschiedene Faktoren entstehen oder begünstigt werden. Dazu gehören beispielsweise:

  • Veränderungen des Hörsystems: Lärmbelastung, altersbedingte Hörveränderungen oder andere Hörstörungen können mit Tinnitus verbunden sein.

  • Stress und Anspannung: Stress kann die Wahrnehmung der Ohrgeräusche und die damit verbundene Belastung verstärken.

  • Kiefergelenk und Kaumuskulatur: Funktionsstörungen im Kieferbereich können bei manchen Menschen mit Ohrgeräuschen zusammenhängen.

  • Halswirbelsäule und Nacken: Beschwerden und Funktionsstörungen im Bereich des Nackens können bei bestimmten Tinnitusformen eine Rolle spielen.

  • Weitere medizinische Ursachen: Beispielsweise Erkrankungen des Ohres, bestimmte Medikamente oder andere gesundheitliche Faktoren können Ohrgeräusche auslösen.

Nicht immer lässt sich eine eindeutige Ursache feststellen. Umso wichtiger ist es, verschiedene mögliche Einflussfaktoren zu berücksichtigen.

Welche Rolle spielen Halswirbelsäule und Kiefergelenk bei Tinnitus?

Unser Hörsystem arbeitet nicht isoliert. Es steht in Verbindung mit verschiedenen Bereichen des Nervensystems, die auch Informationen aus dem Bewegungsapparat verarbeiten.

Besonders interessant ist der sogenannte somatosensorische Tinnitus. Bei dieser Form können sensorische Informationen aus dem Nacken, der Halswirbelsäule oder dem Kiefer die Wahrnehmung der Ohrgeräusche beeinflussen.

Vielleicht kennst Du das: Wenn Du den Kopf drehst, den Kiefer bewegst oder die Zähne zusammenbeißt, verändert sich die Lautstärke oder Tonhöhe des Geräusches. Eine solche Veränderung kann ein Hinweis darauf sein, dass körperliche Reize an der Wahrnehmung des Tinnitus beteiligt sind. Sie beweist für sich allein allerdings noch nicht, woher die Ohrgeräusche kommen.

Die oberen Halswirbel und das Hinterhauptsbein

Das Hinterhauptsbein, medizinisch Occiput, bildet den Übergang zwischen Schädel und Halswirbelsäule. Zusammen mit dem ersten Halswirbel, dem Atlas, und dem zweiten Halswirbel, dem Axis, ermöglicht dieser Bereich wichtige Bewegungen des Kopfes.

Gleichzeitig werden aus der oberen Halswirbelsäule zahlreiche sensorische Informationen an das Nervensystem weitergeleitet. Diese Informationen sind unter anderem für die Koordination von Kopfbewegungen und Körperhaltung relevant.

Bei bestimmten Formen von Tinnitus können Reize aus der Halswirbelsäule die Verarbeitung von Hörinformationen beeinflussen. Ob und in welchem Umfang dies bei Dir eine Rolle spielt, hängt von Deiner individuellen Situation ab.

Eine vermeintliche Fehlstellung einzelner Halswirbel lässt sich dabei nicht pauschal als Ursache für Tinnitus ansehen. Entscheidend ist vielmehr, ob sich nachvollziehbare funktionelle Zusammenhänge zwischen Deinen Beschwerden und dem Bewegungsapparat zeigen.

Das Kiefergelenk als möglicher Einflussfaktor

Auch das Kiefergelenk kann für Menschen mit Ohrgeräuschen relevant sein. Es arbeitet eng mit der Kaumuskulatur und den umliegenden Strukturen zusammen.

Zähneknirschen, starkes Zusammenbeißen der Zähne oder Beschwerden beim Kauen können mit einer erhöhten Belastung der Kaumuskulatur einhergehen. Bei manchen Betroffenen stehen solche Beschwerden in Zusammenhang mit Tinnitus.

Wenn sich Deine Ohrgeräusche beim Öffnen des Mundes, beim Kauen oder bei bestimmten Kieferbewegungen verändern, kann es sinnvoll sein, die Kieferfunktion genauer untersuchen zu lassen.

Je nach Befund kommen eine zahnärztliche oder kieferorthopädische Abklärung beziehungsweise eine spezialisierte Behandlung von Kiefergelenkbeschwerden infrage.

Was hat das Nervensystem mit Ohrgeräuschen zu tun?

Das Nervensystem verarbeitet fortlaufend Informationen aus unterschiedlichen Körperregionen. Dazu gehören Signale aus dem Hörsystem ebenso wie sensorische Informationen aus Muskeln und Gelenken.

Diese Informationen werden in verschiedenen Bereichen des Gehirns verarbeitet und miteinander verknüpft. Bei bestimmten Formen von Tinnitus können Signale aus dem Nacken- oder Kieferbereich die Aktivität in Hörnetzwerken beeinflussen.

Auch Stress, Schlafmangel und anhaltende Anspannung können verändern, wie intensiv Ohrgeräusche wahrgenommen werden und wie belastend sie sich anfühlen.

Das bedeutet nicht, dass Tinnitus grundsätzlich durch Stress entsteht oder allein über den Bewegungsapparat erklärt werden kann. Es zeigt vielmehr, dass die Wahrnehmung von Ohrgeräuschen durch mehrere Faktoren beeinflusst werden kann.

Ein ganzheitlicher Blick berücksichtigt deshalb sowohl das Hörsystem als auch mögliche körperliche, neurologische und psychosoziale Einflussfaktoren.

Kann Chiropraktik bei Tinnitus sinnvoll sein?

Wenn Ohrgeräusche mit Beschwerden im Nackenbereich oder mit der Funktion der Halswirbelsäule zusammenhängen, kann es sinnvoll sein, auch diesen Bereich in die Untersuchung einzubeziehen.

In der Chirolounge betrachten wir den Bewegungsapparat als funktionelles Zusammenspiel. Bei entsprechenden Beschwerden achten wir unter anderem auf die Beweglichkeit der Halswirbelsäule, den Übergang zwischen Kopf und Nacken sowie auf mögliche Bewegungseinschränkungen und Spannungsmuster.

Dabei geht es nicht darum, eine vermeintlich verschobene Wirbelposition als Ursache des Tinnitus vorauszusetzen. Vielmehr möchten wir verstehen, ob sich bei Dir Hinweise auf einen funktionellen Zusammenhang zwischen Nacken, Bewegung und Beschwerden zeigen.

Je nach Untersuchungsergebnis können individuell angepasste chiropraktische Maßnahmen infrage kommen. Sie können darauf abzielen, die Beweglichkeit zu verbessern und Beschwerden des Bewegungsapparates zu lindern.

Die wissenschaftliche Evidenz für Chiropraktik als gezielte Behandlung von Tinnitus ist allerdings begrenzt. Eine zuverlässige Wirkung auf die Ohrgeräusche selbst ist nicht belegt. Deshalb sollte Chiropraktik bei Tinnitus nicht als Ersatz für eine HNO-ärztliche Abklärung oder eine gezielte Tinnitusbehandlung verstanden werden.

Ob eine chiropraktische Untersuchung ergänzend sinnvoll ist, besprechen wir mit Dir auf Grundlage Deiner individuellen Beschwerden.

Was solltest Du bei Tinnitus beachten?

Wenn Du neu aufgetretene oder anhaltende Ohrgeräusche bemerkst, solltest Du sie ärztlich abklären lassen. Eine HNO-ärztliche Untersuchung kann helfen, mögliche Ursachen zu erkennen und die weitere Behandlung zu planen.

Bei anhaltendem Tinnitus können je nach Befund unterschiedliche Maßnahmen sinnvoll sein. Dazu gehören beispielsweise eine Hördiagnostik, die Behandlung einer zugrunde liegenden Erkrankung, Hörgeräte bei entsprechendem Hörverlust oder eine gezielte Tinnitusbehandlung.

Wenn zusätzlich Nackenbeschwerden, Kieferprobleme oder eine Veränderung der Ohrgeräusche durch Bewegungen auftreten, kannst Du diese Beobachtungen bei der Untersuchung ansprechen.

Wichtig: Tritt Tinnitus plötzlich zusammen mit einer Hörminderung auf, solltest Du umgehend eine HNO-ärztliche Untersuchung veranlassen. Bei plötzlich auftretenden neurologischen Ausfällen, beispielsweise einer Gesichtslähmung oder Sprachstörungen, ist sofortige Notfallhilfe erforderlich. Auch ein neu auftretendes pulssynchrones Ohrgeräusch sollte zeitnah medizinisch abgeklärt werden.

Ohrgeräusche ganzheitlich betrachten

Tinnitus kann viele Ursachen haben. Bei manchen Menschen stehen Veränderungen des Hörsystems im Vordergrund, bei anderen können zusätzliche Faktoren wie die Halswirbelsäule, das Kiefergelenk oder Stress die Beschwerden beeinflussen.

Deshalb lohnt es sich, genau hinzuschauen und die verschiedenen Einflussfaktoren nicht isoliert zu betrachten.

In der Chirolounge in München-Thalkirchen nehmen wir uns Zeit für Deine Beschwerden und untersuchen bei Bedarf auch die Funktion der Halswirbelsäule und des umliegenden Bewegungsapparates. Gemeinsam besprechen wir, welche Möglichkeiten in Deiner Situation sinnvoll sind und ob eine chiropraktische Untersuchung ergänzend infrage kommt.

Du hast neben Ohrgeräuschen auch Beschwerden im Nacken oder Kiefer?

Melde Dich gerne bei uns. Wir schauen gemeinsam, welche Zusammenhänge sich bei Dir feststellen lassen und welche nächsten Schritte sinnvoll sind.

Häufige Fragen zu Tinnitus und Ohrgeräuschen

Kann Tinnitus von der Halswirbelsäule kommen?

Bei bestimmten Formen des sogenannten somatosensorischen Tinnitus können sensorische Informationen aus dem Nacken und der Halswirbelsäule die Wahrnehmung der Ohrgeräusche beeinflussen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Tinnitus grundsätzlich durch eine Fehlstellung der Halswirbel verursacht wird. Eine HNO-ärztliche Abklärung bleibt wichtig.

Können Nackenverspannungen Ohrgeräusche verstärken?

Bei manchen Menschen können Beschwerden und erhöhte Muskelspannung im Nacken mit einer Veränderung der Tinnituswahrnehmung verbunden sein. Ob dieser Zusammenhang besteht, ist individuell unterschiedlich. Nackenverspannungen sind nicht automatisch die Ursache von Ohrgeräuschen.

Welche Rolle spielt das Kiefergelenk bei Tinnitus?

Das Kiefergelenk und die Kaumuskulatur können bei bestimmten Tinnitusformen eine Rolle spielen. Wenn sich die Ohrgeräusche beim Kauen, Zähnepressen oder Öffnen des Mundes verändern, kann eine Untersuchung der Kieferfunktion sinnvoll sein.

Kann Chiropraktik Tinnitus heilen?

Eine Heilung von Tinnitus durch Chiropraktik ist wissenschaftlich nicht belegt. Wenn gleichzeitig Funktionsstörungen oder Beschwerden im Nackenbereich bestehen, kann eine chiropraktische Untersuchung ergänzend sinnvoll sein. Ob eine Behandlung hilft, hängt von der individuellen Situation ab.

Wann sollte ich mit Ohrgeräuschen zum Arzt?

Neue oder anhaltende Ohrgeräusche sollten medizinisch abgeklärt werden. Bei plötzlich auftretendem Tinnitus mit Hörminderung ist eine umgehende HNO-ärztliche Untersuchung wichtig. Pulsierende Ohrgeräusche und zusätzliche neurologische Symptome erfordern ebenfalls eine zeitnahe beziehungsweise bei akuten Ausfällen sofortige Abklärung.

Können Stress und das Nervensystem Tinnitus beeinflussen?

Stress und Schlafprobleme können die Wahrnehmung und Belastung durch Tinnitus verstärken. Das Nervensystem verarbeitet außerdem Informationen aus dem Hörsystem und dem Bewegungsapparat. Deshalb kann es sinnvoll sein, neben den Ohren auch weitere mögliche Einflussfaktoren zu berücksichtigen.

Das könnte Dich auch interessieren

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert